Im Dezember 2015 sind wir auf derStandard.at auf einen Artikel über Geschenke „Made in Austria“ gestoßen und haben uns vorgenommen die österreichischen Firmen ein bisschen näher kennen zulernen.

Heute stellen wir euch die Firma „Guut“ vor und einen ganz besonderen Geschäftsführer, der über Umwege von der Musik zum Handwerk gekommen ist. „Umwege erhöhen die Ortskenntnis“, meint Anselm Schwade zu seinem Werdegang. Aber genau genommen sind es am Ende niemals Umwege, sondern vielfältige Erfahrungen, die sich zu einem dichten Netz verknüpfen, auf dem es sich ganz gut balancieren lässt.
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Anselm Schwade führt seit 2013 den österreichischen Vorzeigebetrieb Guut, d.h. eigentlich ist es eine Manufaktur, wie er selbst sagt. Die Bettrahmen lässt er bei seinem Tischler des Vertrauens – der Möbelwerkstatt Alois Füchsl – im Mühlviertel anfertigen. Jede Matratze, die das Haus verlässt, entsteht als Einzelanfertigung in der Werkstatt am Wallensteinplatz in Wien.

Herr Schwade, in wiefern sind Ihre Produkte „Made in Austria“?

Wir sind ein wirklich kleiner Betrieb: Neben mir als Geschäftsführer, Entwickler, Produktionsleiter und Mädchen für alles, gibt es noch 2 Mitarbeiter: Biljana, die Seele unserer Werkstatt, ohne die gar nichts geht: Sie produziert an insgesamt 7 verschiedenen Spezial-Nähmaschinen alle Dinge, die mit dem Thema Stoff zu tun haben: Bezüge für Matratzen, Kissen, Betthäupter, daneben Lamellenrostsysteme, Himmel für Himmelbetten und schließlich Bettwäsche, Polsterarbeiten und was man sonst aus Stoff machen kann. Unterstützt werden wir von meiner Tochter Leonie, die wie ich Musik studiert hat, die ausgestattet mit der Liebe zu schönen Dingen auch im Verkauf und der Büroorganisation eine erfüllende Teilzeitarbeit sieht.

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Wenn es um die Rohstoffe geht, ist  klar, dass es keinen Latex aus österreichischer Produktion gibt, aber überall wo es möglich ist, entscheiden wir uns für die nahen Wege und die kleineren regionalen Betriebe. Unser Tischler ist im Mühlviertel beheimatet. Einerseits ist es für uns wichtig, dass es ein Betrieb  mit dem entsprechenden Know-how ist, andererseits aber auch einer mit menschlichen Dimensionen: ein mittelständischer Betrieb mit 8 Angestellten. Thomas, einer der Gesellen arbeitet inzwischen fast 50% seiner Jahresarbeitszeit an unseren Betten.
Auch der Stoff für unsere Matratzenbezüge kommt aus dem Mühlviertel, 20 km entfernt vom Tischler, das Rosshaar für unsere Unterbetten stammt aus Vorarlberg. Aber ganz allgemein liegt die große Herausforderung darin, die Spezialbetriebe zu finden, die die besonderen Dinge herstellen, die wir brauchen: Webereien, die Bettwäsche-Stoffe von über 3 Meter Breite produzieren, gibt es beispielsweise in Österreich gar nicht mehr.

Welche Ziele haben Sie für 2016? 
Weniger als Prinzessinnen-Erbsenträume zum Preis von einem Mittelklasseauto brauchen wir heute mehr denn je Betten in einem menschlichen Format, die ohne übertriebene Heilsversprechen alles haben, was man für eine entspannte Nacht braucht. Auch wenn wir im Hintergrund 14 Jahre Erfahrung in der Matratzenfertigung und 10 Jahre bei den Betten und Möbeln haben, so stehen wir in unserer Firmenentwicklung trotzdem noch ziemlich am Anfang. Seit dem 2. Halbjahr 2015 scheinen wir langsam aber sicher gelandet zu sein – in den Köpfen der Menschen: So haben wir von 2014 auf 2015 eine Steigerung um 50% geschafft. Meine Wachstumsziele sind bescheiden: Eine stetige, aber stabile Entwicklung entspricht mir dabei am ehesten. Der Hype um manche Themen ist mir tendenziell eher suspekt. Auf diese Weise habe ich schon einige genau so schnell verschwinden sehen wie sie aufgetaucht sind. Unser Zwischenziel für 2016: Vielleicht ein Standort mehr in der Mitte des Fischteiches mit etwas mehr Sichtbarkeit.

In einem Interview mit Medianet sagen Sie selbst, dass Sie in Ihrem Leben viel ausprobiert haben. Wie genau sind Sie zu Ihrem derzeitigen Weg gekommen? 
Auch wenn sie scheinbar wenig miteinander zu tun haben, so sind es im Wesentlichen doch immer wieder drei Themenkreise, um die sich bei mir alles dreht: Menschen, Kunst und Handwerk.

Die dazugehörigen Stationen heißen: ein abgebrochenes Studium für  Restaurierung, ein abgeschlossenes Musikstudium, Unterrichtstätigkeit an Musikschulen, eine Tischlerausbildung, Selbständigkeit als Restaurator, eine Ausbildung zum Trainer und Coach, langjährige Trainingstätigkeit und Lehrlingsausbildung.

Was verbinden Sie selbst mit folgenden Begriffen?
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Achten Sie selbst auf regionalen Produktkauf? Wie nachhaltig gestalten Sie Ihr Leben? 
Mein Wocheneinkauf geschieht, wenn irgendwie möglich am Samstag auf dem Markt. Beim Thema Fortbewegung paart sich mein Bewegungsbedürfnis mit meiner mir angemessenen Geschwindigkeit: So lege ich meinen Weg zur Arbeit ich mit dem Fahrrad zurück, Betten liefern wir zwar noch mit dem Auto aus und vollkommen vermeiden kann ich die motorisierte Fortbewegung wohl kaum, aber in den vergangenen Jahren bin ich – wenn ich nicht in Wien gewohnt habe, fast ausschließlich mit der Bahn nach Wien gependelt – diese Zeit war für mich immer eine Quality-Time, die ich sehr genossen habe.
Den Traum vom nachhaltigen (Strohballen-)Haus hat am Ende meine Ex-Frau realisiert, nach Jahren und Jahrzehnten auf dem Land wohne ich heute recht entspannt in einer Niedrig-Energie-Standard-Wohnung in der Stadt. Dass ich bei Kleidung und Einrichtung mehr Wert auf wenige ordentliche Stücke lege, die mich dann möglichst lange begleiten, versteht sich von selbst, denn schließlich sind auch unsere Betten so gemacht, dass wir sie unseren Enkelkindern noch vererben können.

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